Abgehackt


Heute soll die unglaubliche Tatsache unvollständiger Sätze in diesem Blog etwas eingehender beleuchtet werden. Das Einsparen unwesentlicher Worte, das Weglassen von Teilsätzen oder abrupte Beenden eines ohnehin schon viel zu langen Satzes muss schließlich irgendeine Ursache haben. An Worten zu sparen liegt möglicherweise am zunehmenden Alter und am unglaublich stressigen Alltag des Schreiberlings. So jedenfalls haben es Wissenschaftler nach mehrjährigen Tests an weißen Mäusen herausgefunden. Was natürlich hier eher als ehm…
Doch die Wahrheit schaut viel unheilvoller aus. Man stelle sich das folgendermaßen vor: Ein paar Zeilen sind gerade fertig getippt und beim ersten Lesen derselben stellt deren Schöpfer bestürzt fest, dass er nicht die Spur einer Ahnung davon hat, was er da eigentlich gerade schreiben wollte. Ein Filmriss quasi, welcher seine Ursache darin findet, dass sich seine Gedanken während des Schreibens verselbständigen und in ihrer rasanten Reise der gerade geschriebenen Geschichte bereits weit voraus sind.
Das Tempo ist halsbrecherisch und die Finger kommen beim Mittippen auf der klappernden Tastatur kaum nach. Um halbwegs Schritt zu halten, ist es hin und wieder nötig, ein paar Ideen zu überspringen und nur das festzuhalten, was sich augenblicklich als entscheidend Wichtig herausstellt. (Oh Gott – das bedeutet womöglich, dass hier Multitasking in Reinkultur vorliegt – ein Widerspruch in sich, da der Schreiberling männlichen Geschlechts ist)
Doch dann geschieht das Unfassbare: Ohne Vorwarnung biegen die Gedanken auf ihrer Reise links oder rechts ab und verlieren sich im sphärischen Nirwana seiner Gehirnwindungen
Nun spätestens ist der Punkt erreicht, an dem sich die Finger von der Tastatur heben und für einige Sekunden reglos darüber verharren. Die Falten auf der Stirn werden tiefer. Eine Zigarette wäre jetzt genau das richtige, doch als Nichtraucher ist er auf andere Drogen zur Nervenberuhigung angewiesen. Jedoch erfüllen Kartoffelchips nicht unbedingt jene Klischees, die diesem Text gerade ähnlich guttun würden wie eine Zigarette. Aus diesem Grunde wird an dieser Stelle dem Schreiberling eine allgemeine Abstinenz angedichtet, was ihn gegenüber allen nervenberuhigenden Verlockungen immun macht. (Das geht hier so einfach, aber in Wirklichkeit…)
Tja, und so sitzt er immer noch da und grübelt… Er jagt seinem verlorengegangenen Gedanken nach, liest noch einmal den abgehackten Satz, kratzt sich am kahlrasierten Kopf und beginnt allmählich an sich zu zweifeln. Doch dann endlich hellt sich seine Miene auf. Prüfend schaut er noch einmal vom Bildschirm auf die Tastatur, dann wandert der Mauszeiger zum „Speichern“-Button und kurz darauf klappt er das Notebook zusammen.
In diesem Sinne

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