Das Ende der Evolution


Das kleine „e“, dieser zwar oft genutzte aber doch völlig überbewertete Buchstabe sorgt für epische Bauchschmerzen bei Deutschlands edelsten Datenschützern. So kommt dieser Buchstabe nicht nur im Namen der Kanzlerin vor, sondern in ihrem Wohnort, Ihrem Beruf und ihrem Geschlecht. Gewiefte Wortakrobaten könnten somit geheime Informationen aus Regierungskreisen allein mit der Kenntnis des Buchstaben „e“ erlangen. Unsere standhaften Datenschützer verlangen daher die globale Sperrung sämtlicher schützenswerter Buchstaben für den gewöhnlichen Sprach- und Schriftgebrauch und wagten den höchst streitbaren Schritt vor die deutsche Gerichtsamkeit.

Insider und solche, die sich dafür halten erwarten in diesem einmaligen Fall eine schnelle und höchstwarscheinlich positiv beschiedene Entscheidung durch Deutschlands höchster Rechtssprechungsstelle (die Nennung des korrekten Namens und des Sitzes verstößt gegen gut ein Dutzend Paragraphen im Datenschutzgesetz). Im Anschluss dürfte die widerechtliche Nutzung (z.B. im Schriftverkehr) sämtlicher Selbstlaute und gut einem Drittel der Mitlaute mindestens eine Flut von Abmahnungen, in Extremfällen gar eine Strafverfolgung nach sich ziehen.

Nachdem bereits vor einiger Zeit der Gebrauch von mobilen Informationsgeräten und Computern unter Strafe gestellt wurde und man in Behörden und Ämtern sich nur noch mittels Gebärdensprache unterhält, dürfte diese neue Entwicklung entgültig das Ende der Evolution des Menschen einläuten.

An einer Straßenecke sah ich heute morgen einen Händler Keulen und Faustkeile verkaufen, andere boten Felle an. Ich selbst habe mich bereits umfassend über der Technik des Feuermachens informiert und werde mein umfangreiches Wissen in Mystik und Meteorologie nutzen, um von meinem neuen Stamm als lokale Gottheit verehrt zu werden.

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The Modern Way


Wer kennt das nicht, man wacht morgens mit einer Melodie im Ohr auf und bekommt selbst unter der Dusche diesen hartnäckigen Sound nicht aus den Ohren. Oder man hat Glück und keine Schnulze infiziert schon beim Aufstehen den Gehörgang. Dann aber dudelt irgendwo bei Frühstück ein Radio und zack! Es ist passiert: Der falsche Sender spielt die falschestes Musik zur falschen Zeit und  SOUND gräbt sich tief in unser zweitwichtigstes Sinnesorgan und beißt sich für die kommenden Stunden böse darin fest.

Damit muss man nun leben, es gibt keine Chance etwas Wirkungsvolles dagegen zu unternehmen. Es ist ein Fluch und Segen unserer Zeit, dass es inzwischen Musikstile für jeden Ort, Anlass und Zielgruppe gibt. Man läuft also durchaus gefahr, dass sich der bereits vorhandene Ohrwurm einen Vertreter der falschen Zielgruppe erwählt hat. Und nun zu einer ausgewachsenen Geschmacksverwirrung ausartet, welche weniger wert ist als Ohrenschmalz.  Doch manchmal gibts auch Tage, da sorgt diese rauschfreie Beschallung des Hirns ohne tatsächlich existierender Geräuschquelle für dringend nötige Motivationsschübe, dass es fast an Aufbruchstimmung grenzt.

Ich meine, die paar Sinne, die mir die Evolution überhaupt zur Verfügung stellt, sollten stets mit dem Besten, was Kunst und Kultur bieten, verwöhnt werden. Doch zu oft sorgen Lärmbelästigungen im Mono-Sound diverser Künstler und prominenter Musikproduzenten, die das Prädikat „Künstler“ nie für sich beanspruchten, für wahre Gehörgangsqualen. Lass Dir eines gesagt sein – das Schlagen mit dem Schädel gegen eine Wand erhöht nur die Lautstärke und sorgt für mehr Beat und Bass im Ohr und Aua am Kopf. Versuch nicht gegen anzugehen, nimm es ähnlich tolerant wie im Auto Deiner Eltern, wenn diese ihr Radio mit Musik maltretieren, die Deinem Empfinden nach verboten gehört.

Denn selbst bis zum Anschlag eingestöpselte Kopfhörer und Lautstärke Marke Erdbeben bringt kaum Abhilfe. Kaum ist wieder Stille eingekehrt, schon erwischt man sich selbst, wie man „Ein Bett im Kornfeld“ oder „Griechischer Wein“ summt und dafür hasst man sich und Udo Jürgens. Ganz ehrlich: Ein wenig Selbstekel ist angebracht, wenn diese Titel nicht unbedingt zum Alltagsrepertoire gehören, sonst macht einen das unnötig fertig.

Heute ist ein Sahnetag angebrochen. Die Sonne scheint, eine markzerreissende Kälte liegt in der Luft, niemand stört nervend die wohltuende Ruhe und im Ohr beschreiben die Kaiser Chiefs den „Modern way“. Keine Ahnung, worum es im Liedtext geht, Texte erhöhen eh zu selten den Liedgenuss, also lass ich es, geniesse die Melodie und übernehme diese direkt als Glückshormone ins Blut. Das funktioniert, selbst mein Tinnitus muss mit seinem eintönigen Gefiepe dem genialen Sound dieses Titels weichen. Yeah, Leute, das Leben kann auch Spaß machen, nötig ist nur eine gesunde Einstellung und der korrekte Umgang mit . Eben ganz der Moderne Weg.

P.S.: Warum ausgerechnet die Kaiser Chiefs mit einem nicht sonderlich aktuellen Titel? Wenn schon neuer Blog, dann bitte doch auch etwas aktuelleres als Musiktitel, oder etwa nicht? Nun, die rosarote Wahrheit ist die, dass ich diesen Text in ähnlicher Form vor drei oder vier Jahren auf meiner alten CS-Wusch.de-Seite veröffentlichte. Dieser Text gefiel mir damals ausgesprochen gut und ich muss zu meinem Bedauern auch zugeben, dass ich (wie so oft) den Witz und den Charme von Texten, die aus dem einen oder anderen Grund verloren gegangen sind, rein aus der Erinnerung nicht wieder herstellen konnte. Und als damals die MySQL-Datenbank den Geist aufgab, war dieser Text ebenso verloren. Oben siehst Du den mühsamen Versuch den Klassiker mit neuem Leben zu versehen und das geht auch nur mit den Kaiser Chiefs und deren „Modern Way“.