Pfandflaschenautomat


Eine hochsommerliche Grillparty ist geplant und ein gut sortierter Vorrat an alkoholischen und anderen Getränken ist dafür unabdingbar. Doch bevor ich den Getränkekühlschrank mit dem begehrten Nass füllen kann, gilt es Platz zu schaffen.Das Leergut längst geschlagener Schlachten muss weg und so unglaublich es klingt – selbst so etwas birgt ausreichend Stoff für einen kleinen Blogbeitrag.

Diese kleine Geschichte beginnt mit dem Befüllen eines nicht unbedingt großen Kofferraums: Klappe auf, den Laderaum maximal mit Kästen ausfüllen und ab zum Getränkenhändler meiner Wahl. Dort angekommen wird ein Einkaufswagen turmhoch beladen, um damit einen Platz in der Schlage vor dem Pfandflaschenautomat einzunehmen. Aufgrund der Temperaturen von über 35 Grad ist diese Schlange überschaubar.

Wenige Augenblicke schiebe ich mittelprächtig transpirierend Kasten für Kasten auf das Laufband eines unscheinbar aussehenden grauen Pfandflaschenautomatens. Wasserkasten, Colakasten, Bierkasten, noch einer und so weiter und so… moment mal… den Weissbierkasten nimmt er nicht an. Ungläubig starre ich auf den Display. Dort steht die Info „Kasten nicht im Sortiment!“. Der Automat spuckt mir den Kasten wieder vor die Füße. Hatte ich diesen Kasten nicht genau hier gekauft? Ich bin mir nicht sicher.

Also stelle ich auf stur (das kann ich sehr gut) und wiederhole mein Ansinnen. Rauf mit dem Kasten auf das Laufband. Daraufhin verschwindet er im Schlund der grauen Höllenmaschine. Voller Hoffnung blicke ich auf das Display. Erst tut sich nichts. Doch dann erscheint die bereits bekannte und ganz sicher inkorrekte Meldung erneut auf dem Display und der Kasten kehrt zurück in meine sommerliche Welt. Der Pfandflaschenautomat sitzt am längeren Hebel und lässt mich das spüren. Ich fluche. Etwas zu laut, dafür aber zu recht. Noch bin ich nicht bereit aufzugeben und beginne noch einmal von vorn…

Ein vorsichtiger Rundumblick macht die Sache keineswegs besser. Die Schlange hinter mir ist um einiges angewachsen. Aber das kann ich nicht ändern. Hier ist eine Sache zu klären – Eine Sache zwischen Mensch und, ehm, Pfandflaschenautomat. Die schwitzenden Leute schauen ziemlich verdrießlich drein. Anteilnahme kann ich nirgends erkennen, noch nicht einmal Mitleid. Herzloses Volk! Aber wartet, ihr seid auch gleich an der Reihe.  Egal! Mir ist eindeutig zu warm, um darüber nachzudenken.

Nach dem vierten Versuch gebe ich auf und blicke mich suchend nach einer Servicemitarbeiterin um. Diese sind – wer will es ihnen verdenken – bei der aktuellen Hitze rar gesät. Wahrscheinlich findet man sie bei besonders umfangreichen Sortier- und Inventurarbeiten in der Kühlung. Also so mache ich mich auf die Suche. Schließlich hat dieser Markt den ausgezeichneten Ruf jede Art von Leergut zurückzunehmen, solange es sich um handelsübliche Pfandflaschen und -Getränkekästen handelt. Beeindruckend, oder? Okay, inzwischen ist das wohl überall so, aber hier nahm das ganz bestimmt einen Anfang.

Also irre ich durch ein Labyrint aufgestapelter Wasserkästen, Regalen mit Sixpacks aller Art und unendlich günstigen Sonderangeboten – bis mich eine beunruhigende Erkenntnis überrollt: Alter, wo ist der Bon? Du hast auf den Bon-Knopf gedrückt. Hast Du doch? Oder Nicht? Aber wo ist denn dann der Bon? Also, hast Du wirklich drauf gedrückt?

Meinem Zweifel folgt die Erkenntnis, tatsächlich nicht auf den Knopf gedrückt zu haben. Die Panik ist augenblicklich greifbar. Was nun? Den Einkaufswagen mitsamt der verdammten Weissbierkiste in der Limonadenabteilung zurücklassend durchquere ich hastig den Laden. Am Automaten angekommen folgt die nächste Erkenntnis. Die eben noch hinter mir aufgestaute Menschenkette hat sich komplett aufgelöst. Alle weg. Und auch mein Bon. Natürlich – war ja klar.

Und was lernt man daraus?

  1. Getränkeautomaten sind launisch und haben immer das letzte Wort.
  2. Knöpfe sind dazu da gedrückt zu werden.
  3. Mitmenschen hin und wieder mit Pfandbons zu beschenken ist durchaus nobel.
  4. In diesem Text kommt das Wort Erkenntnis viel zu oft vor.

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